Sanierung + Umnutzung denkmalgeschützter Landsitz Schwandstock, Münsingen 2024-2026
Bauherrschaft: WBS AG, Schwand 1, Münsingen
Planung: Studio Format GmbH, Bern
Ausführung + Bauleitung: EIMAAG, Freimettingen
Begleitung Denkmalpflege: Daniel Gygax, KDP
Bilder nach Fertigstellung: Fabian Brügger
Modellbilder: Rob Lewis
Der schützenswerte Wohnstock auf dem ehemaligen Schwandgut in Münsingen wurde vermutlich zwischen 1775 und 1799 durch Carl Ahasver von Sinner (1) errichtet und prägt als Teil des historischen Bestands die Anlage bis heute. Gemeinsam mit dem Pächterhaus (Baujahr um 1800), dem Melkerstock (Baujahr um 1800) sowie der alten Scheune (Baujahr um 1760) bildet der Schwandstock ein orts- und baugeschichtlich bedeutendes Ensemble in leicht erhöhter Lage nordöstlich von Münsingen. Als Teil dieses Ensembles besitzt das Gebäude eine hohe bauhistorische und kulturlandschaftliche Aussagekraft. Die umfassende Restaurierung (2) von 1964 führte zur Aufnahme in das Bundesinventar der Kulturgüter von nationaler Bedeutung und bildet die Grundlage für den heutigen Umgang mit dem Bestand.
Das Projekt verfolgt einen konsequent substanzschonenden Ansatz, der sich an den Grundsätzen der Denkmalpflege orientiert, jedoch in einer insgesamt zurückhaltenderen, pragmatischen Haltung umgesetzt wird. Im Zentrum steht der Erhalt der vorhandenen Bausubstanz bei gleichzeitiger Sicherstellung einer zeitgemässen Nutzung. Die Eingriffe erfolgen gezielt und mit hoher Präzision, wobei der Bestand als Ausgangspunkt verstanden wird. Ziel ist es, die vorhandenen Qualitäten zu sichern und weiterzuführen sowie neue Elemente so einzufügen, dass sie sich selbstverständlich in das Gesamtbild einfügen.
Die Umnutzung des Erdgeschosses zu einem Ort für Schule und Bildung für Kinder erfolgt unter weitgehender Wahrung der bestehenden Raumstruktur. Die notwendigen Anpassungen beschränken sich auf gezielte Eingriffe wie die Sanierung der Nasszellen, den Wiedereinbau einer Küche sowie die Integration eines Wickelbereichs. Die Oberflächen werden instand gestellt und in ihrer Substanz gesichert. Im Obergeschoss werden zwei unabhängig nutzbare Wohneinheiten geschaffen. Auch hier konzentrieren sich die Massnahmen auf die Erneuerung der Nasszellen, den Einbau einer zusätzlichen Küche im ehemaligen Laubenzimmer sowie die sorgfältige Überarbeitung der bestehenden Oberflächen. Das Dachgeschoss bleibt in seiner Substanz unangetastet; im Rahmen des Projekts wurde jedoch eine Belichtungsstudie anhand eines physischen Modells durchgeführt, um mögliche zukünftige Entwicklungsschritte fundiert beurteilen zu können.
Ein zentrales Anliegen des Projekts ist die Wiederherstellung wichtiger Raumbezüge. So wird der seitliche Eingang im Erdgeschoss unter dem Peristil reaktiviert, wodurch ein ursprünglicher Zugang wieder nutzbar wird. Im Obergeschoss wird die Querverbindung zwischen Laubenzimmer und Mittelgang wieder geöffnet, sodass der Grundriss wieder über die gesamte Gebäudebreite erfahrbar ist. Diese Eingriffe stärken die räumliche Klarheit und machen die ursprüngliche Struktur wieder besser nachvollziehbar.
Die vorhandenen Bauteile werden sorgfältig behandelt. Bestehende Türen werden instand gestellt und gleichzeitig an die brandschutztechnischen Anforderungen angepasst, sodass ihre Erscheinung weitgehend erhalten bleibt. Grundsätzlich wird auf die Weiterverwendung bestehender Bauteile gesetzt, ergänzt durch geeignete Elemente aus anderen Objekten, um Ressourcen zu schonen und den Charakter des Hauses zu bewahren.
Insgesamt versteht sich das Projekt als zurückhaltende Weiterentwicklung eines historischen Gebäudes, bei der Erhalt und Anpassung in ein ausgewogenes Verhältnis gesetzt werden. Die bestehende Substanz bleibt prägend, während die neuen Nutzungen eine langfristige Perspektive für das Gebäude schaffen.
Die Sanierung der Fassaden wurde im Zuge dieses Bauvorhabens aus Kostengründen zurückgestellt. Gemäss Fachbericht von Fischer & Partner Restauratoren (3) sind an den Fassaden keine historischen Verputze oder Anstriche mehr vorhanden. Die ursprünglichen Beschichtungen wurden im Rahmen der Sanierung von 1964 entfernt und das Mauerwerk anschliessend mit einem zementgebundenen Grund- und Deckputz neu aufgebaut.
1 Quelle: Bauinventar, Denkmalpflege des Kantons Bern
2 Informationen dazu, sind im Dossier „Schwandgut, Münsingen“ im Archiv der Denkmalpflege zu finden
3 Münsingen, Schwandstock: „Stratigraphische Untersuchung der Fassaden und ausgewwählter Innenräume“, Fischer&Partner AG Restauratoren, Matthias Kilchhofer, März 2025






















